Von Nicole Zeitner auf Mittwoch, 21. Dezember 2022
Kategorie: Grosser Rat TG

Interpellation: Sorge um die psychische und therapeutische Versorgung psychisch kranker Menschen im Thurgau

Gemäss Aussagen von diplomierten Pflegefachpersonen und Hausärztinnen und Hausärzten ist die Versorgung von Menschen mit akuten psychischen Erkrankungen im Thurgau nicht ausreichend gewährleistet. Eine Überweisung zur psychiatrischen Behandlung, sei dies ambulant oder stationär, sei schwierig.

Gleichermassen ungenügend ist derzeitig die Versorgung in der ambulanten psychiatrischen Pflege. Zwar können langjährige Patientinnen und Patienten auf die Betreuung ihrer Pflegefachperson zählen, neue Klientinnen und Klienten bekunden jedoch grosse Mühe, überhaupt eine Ansprechperson mit entsprechender Ausbildung zu finden.

Der Bedarf an kinder- und jugendpsychiatrischen Versorgungsleistungen nimmt seit einigen Jahren zu. Psychiatrische und psychosomatische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen haben stark zugenommen. Entsprechend gestiegen ist die Nachfrage nach psychiatrischer und psychologischer Unterstützung.

Am 12. Dezember 2022 veröffentlichte das Bundesamt für Statistik in einer Medienmitteilung die neusten Zahlen von Behandlungen von psychischen Störungen bei jungen Menschen in den Jahren 2020 und 2021. Dabei stieg die Zahl der stationären Spitalaufenthalten wegen psychischer und Verhaltungsstörungen bei Mädchen und jungen Frauen im Alter von 10 bis 24 Jahren um 26% bei gleichaltrigen Männern um 6%. Zum ersten Mal waren psychische Störungen die häufigste Ursache für eine Hospitalisierung bei den 10 – bis 24-Jährigen, gefolgt von Verletzungen. Die Spitaleinweisungen aufgrund von Suizidversuchen nahmen in derselben Altersgruppe um 26% zu, die ambulanten psychiatrischen Leistungen im Spital um 19%.